Tantra-Wissen

Um frei zu sein, um Ekstase zu geniessen,
um tantrisch zu leben…

Braucht es kein Wissen, keine Rituale,
keine einzige Übung oder Erfahrung.

Du bist in der Essenz absolut frei.
Nichts kann dir diese Freiheit geben oder nehmen.
Sie ist.

Dein ganzer Körper besteht aus pulsierender Ekstase.
Magst du sie auch vergessen oder verleugnen.
Sie ist.

Alles was ich tun kann und möchte,
ist dir dies aufzuzeigen, dich daran zu erinnern
und dir einfache, kreative Schlüssel vorzustellen,
mit denen du tiefer und tiefer erforschen kannst.

Dazu lade ich dich ein.

Philosophie des Yoga und Tantra

 

Ziel des Lebens ist die endgültige Leidfreiheit (auf Sanskrit: Moksha) bzw. ein andauernder Zustand von innerer Freude (auf Sanskrit: Satchidananda). Darin sind sich die meisten indischen Religionen und auch die Yogis und Tantriker einig. Auch die grundlegende Betrachtungsweise der Welt ist sowohl im Yoga wie im Tantra die gleiche. Beide Philosophien sagen: „Die Welt ist Illusion und vergänglich. Wenn du dein Glück in etwas Vergänglichem suchst, so wirst du unweigerlich enttäuscht werden und leiden, weil es dir keine dauerhafte Zufriedenheit schenken kann. Einzig das Eintauchen ins ewige Sein (ins „Göttliche“) kann dir dauerhaften Frieden schenken.“Die Schlussfolgerungen aus dieser Grundlage sind im Yoga und Tantra allerdings dann völlig verschieden. Während Yoga dich auffordert, dich bewusst von der Welt abzuwenden, empfiehlt dir Tantra, die Welt bewusst zu durchleben, zu bejahen und hindurchzugehen.

Mit der Einstellung des Bejahens aller weltlichen Aspekte des Lebens entwickelte sich Tantra als eine krasse Gegenkultur und Rebellion zu den asketischen Formen des Yoga. Das traditionelle Yoga enthält ein großes Regelwerk von Verboten und Geboten, die insbesondere den Genuss und die Sexualität verneinen und ablehnen, sowie hohe moralische Forderungen an die Lebensweise und das eigene Verhalten stellen.

Einen Yogi könnte man somit einen „Welt-Entsager“ nennen. Tantriker werden dagegen oft auch als Bhogi, als „Welt-Esser oder Genießer“ bezeichnet. Tantra rebellierte gegen die bestehenden Regelwerke und setzte eine völlig neue Lebenseinstellung dagegen: die Verehrung des Körpers, der Sinne, der Sexualität und des Genusses, sowie die Ablehnung jeglicher Moral. Tantrische Philosophie könnte man daher als amoralisch bezeichnen. Ein Tantriker ist aber nicht etwa unmoralisch. Er kümmert sich einfach nicht um Moral, sondern ausschließlich um Bewusstheit.

Beide Wege, der Yoga- wie der der Tantra-Weg, bergen gewisse Herausforderungen. Für den Yogi besteht die Gefahr, dass er nicht bewusst ablehnt und loslässt, sondern stattdessen seine Sehnsüchte, Wünsche und Begierden einfach nur verdrängt. Für den Tantriker dagegen besteht die Gefahr, dass er den Genuss nicht bewusst erlebt und hindurchgeht, sondern sich in Ausschweifungen verliert und sich daran festhält. Deshalb kann man sagen, dass eine Disziplin sowohl im Yoga wie auch im Tantra eine wichtige Rolle spielt: Im Yoga die Disziplin der Selbstbeherrschung und im Tantra die Disziplin des Sich-Hingebens.

In den untenstehenden (aufklappbaren) Tabellen findest du noch einmal die Grundaussagen der beiden Philosophien direkt gegenübergestellt:

Merkmale der Yoga-Philosophie
  • Hohe moralische Forderungen
  • Disziplin der Selbstbeherrschung
  • Bewusste Askese beziehungsweise Abkehr von weltlichen Genüssen
  • Verneinende Kontrolle der sexuellen Energie
  • Leitsatz: Kontrolliere dein Leben, dann stellt sich Bewusstheit ein.
Merkmale der Tantra-Philosophie
  • Rebellion gegen Moralvorstellungen jeglicher Art
  • Disziplin des Sich-Hingebens in den Genuß
  • Bewusstes Erleben und Eintauchen in jeden Aspekt des Lebens
  • Bejahende Kontrolle der sexuellen Energie
  • Leitsatz: Bringe Bewusstheit in dein Leben, dann bist du frei.

Geschichte des Yoga und Tantra

 

Die Wiege aller Religionen (letztlich auch des Christentums) ist Indien. In Indien gibt es unendlich viele verschiedene religiöse Richtungen und Sekten, die harmonisch nebeneinander existieren.

Die Grundannahme der Menschen dort ist: es gibt eine Göttlichkeit, aber unendlich viele verschiedene Wege um diese zu erfahren und auszudrücken.  Jesus wird beispielsweise als einer von vielen Propheten angesehen.

Hier ein zeitgeschichtlicher Überblick der Entwicklung der Religiosität in Indien:

  • Zwischen 3000 und 1800 vor Christus existiert eine vorarische Induskultur mit Mutterkult. Diese ist eher afrikanisch und rituell an der Natur orientiert. Das Weibliche mit seiner fruchtbaren Energie wir betont. Der Begriff „Shaktismus“ von „Shakti“ (der weibliche Aspekt) wird geprägt.
  • Ab 1800 vor Christus wandern die Arier in mehreren Wellen von Westen nach Nordindien ein. Ihr Glaubenssystem hat eher eine patriarchale Ausrichtung und beinhaltet Reinkarnationsvorstellungen und das damit verbundene Kastenwesen mit einer Vier-Klassengesellschaft. Die oberste Klasse stellen die Brahmanen-Priester, die unterste Klasse die sogenannten Unberührbaren.
  • Zwischen 1500 und 900 vor Christus entwickelt sich der indische Vedismus und kommt zur höchsten Blüte. Naturgötter werden verehrt und beopfert, z. B. Agni – das Feuer, Vayu – der Wind oder Yama – der Totengott. Es werden Opfersprüche und Gebete (Mantras) benutzt.
  • Von etwa 900 bis 300 vor Christus entwickelt sich der Brahmanismus, der den Kreislauf der Wiedergeburten und das Karma-Gesetz lehrt. Es ist das Gesetz von Ursache und Wirkung: „Alles was du tust hat Folgen“. Dies wird nicht im Sinne von Bestrafung verstanden, sondern vielmehr als Lernerfahrung und der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und Befreiung (Moksha) aus dem Kreislauf. Daraus entstehend entwickelt sich das höchtste Ziel der indische Religiosität: die Wunschlosigkeit. In jener Zeit entstehen auch die hochentwickelten Upanishaden-Schriften und damit die Vedanta-Philosophie. Sie lehrt die Einheit aller Dinge und sieht das Leben als „göttliches Spiel“ (Leela).
  • 560 bis 480 vor Christus war die Zeit von Siddharta Gautama, dem historischen Buddha (der Erwachte). Dieser lebte als Prinz zuerst den Genuß und den Luxus, danach die Askese und fand schließlich mit etwa 35 Jahren über den „mittleren Weg“ zur Erleuchtung. Danach zog er noch 40 Jahre lang umher und lehrte. Er hielt eine Reihe hochintelligenter Reden und vermittelte viele Meditationstechniken, die zum Erwachen führen.
  • Ab 300 vor Christus entwickelt sich der Hinduismus mit seinen vielen verschiedenen Gottheiten, die jeweils einzeln verehrt werden. Jeder Gott repräsentiert eine spezielle Eigenschaft des göttlichen Ganzen. Die bekanntesten sind Shiva, Vishnu, Krishna, Rama, Radhu, Lakshmi, Rudra und Ganesha. Von diesen Göttern gibt es viele Statuen.
  • Um das Jahr 0 verfasste Patanjali das Yoga-Sutra (Sutra = Lehrrede). Es lehrt das klassische Yoga mit dem sogenannten achtgliedrigen Pfad (Ashtangha Yoga oder Raja Yoga). Hierbei wird ein stufenweiser Entwicklungsweg über die Lebensführung im Alltag vorgeschlagen. Die acht Stufen heißen: Yama (Verbotsregeln), Niyama (Lebensregeln), Asana (Körperstellungen), Pranayama (Atemtechniken), Pratyahara (Zurückziehen der Sinne), Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Erleuchtung). Yoga ist damit der Gegensatz zu Vedanta. Während Yoga sagt, dass du von Gott getrennt bist und wieder eins werden musst, geht Vedanta von der Grundannahme aus, dass du bereits eins bist mit Gott. Du mußt dies nur erkennen.
  • Um das Jahr 200 entsteht die Bhagavad Gita – eine Art Bibel der Inder. In ihr erklärt der Gott Krishna dem fragenden Helden Arjuna die vier großen Wege zur Befreiung: Karma Yoga (selbstloses Handeln in der Welt ohne den Ergebnissen verhaftet zu sein), Bhakti Yoga (Hingabe und rituelle Gottesverehrung mit dem Schlüsselsatz: „Dein Wille geschehe!“), Jnana Yoga (Selbsterkenntnis mit der Kernfrage „Wer bin ich?“), Raja Yoga (Weg der Versenkung und Meditation). Krishna empfiehlt jedem, seinen eigenen Weg unter diesen zu finden. Krishnas Lieblingstier war die Kuh, deshalb wird diese in Indien heute als heilig angesehen.
  • Um 500 entsteht der Tantrismus (oder auch Tantra Yoga), besonders in Nepal, Assam, Bengalen und Khajuraho. Tantra entsteht als eine Revolution der indischen Geisteswelt und lehrt die Befreiung durch den Genuß und das Ablegen von Tabus. Es wird Fleisch und Wein eingenommen, sich auf Friedhöfen und Verbrennungsplätzen getroffen, die Vereinigung mit „Unreinen“ anderer Kasten vollzogen und der menschliche Körpers als Gott (Shiva/Shakti) verehrt. Damals wie heute ist Tantra als trotzig-spirituelle Anti-Moral – Religion jedoch eine Randerscheinung geblieben. Die tantrische Idee ist: Gott wird durch Genuß erlangt und indem die göttliche Sexual – Energie (Kundalini) entlang der Wirbelsäule nach oben gelenkt wird. Tantra bedeutet wörtlich „gut zur Ausdehnung“ oder aber auch „schriftliche Abhandlung“.
  • Um 1000 ist die Blütezeit des Vamacara Tantra, des linkshändigen tantrischen Weges konkret praktizierter Sinnlichkeit und Sexualität. Insgesamt war die Blütezeit des Tantra von 600 bis 1200, also ca. 600 Jahre lang. Danach ist das linkshändige Tantra bis heute beinahe ausgestorben. Der sogenannte rechtshändige Weg (Dakshinacara Tantra) war mehr philosophisch – asketisch ausgerichtet (dakshina = rechts, höflich, dezent; vama = links, hart, unsauber).
  • Zwischen 1100 und 1200 entstehen mit dem Kularnava Tantra und dem Mahacinacara Tantra in der Sekte der Kaulas und Kulas die wichtigsten der rund 200 shivaitischen Tantras. In deren Schriften finden sich die deutlichsten Beschreibungen der „unreinen“ Riten, verbunden mit Drogen und geschlechtlicher Vereinigung im rituell – religiösen Rahmen.
  • Um 1500 entsteht das Hatha Yoga Pradipika, eine eher asketische Yoga-Schrift, in der die Befreiung durch Körperübungen und Atemtechniken gelehrt wird. Der Verfasser dieser Schrift und damit der Urvater des Hatha Yoga ist Matsyendra.
  • Im Jahre 1892 spricht der indische Yogi und Schüler von Ramakrishna, Vivekananda auf dem Weltkongreß der Religionen in Chicago über die universelle Religion und leitet damit erstmals ein größeres Interesse der westlichen Welt an indischer Philosophie ein. Es ist der Beginn der Verbreitung der vier Yoga-Wege in den USA und danach auch in Europa.
  • Um das Jahr 1970 herum kommt die tantrische Philosophie über den indischen Guru Bhagwan Shree Rajneesh (heute Osho) mit westlicher Psychologie verquickt durch seine Schülerin Margo Anand in den Westen. Die französische Psychologin weckt durch Buchveröffentlichungen und Kurse ein breiteres Interesse am sogenannten Neo-Tantra.
  • Um 2000 ist das Neo-Tantra durch viele Bücher, Kurse und Lehrer weltweit im Begriff eine ähnliche Verbreitung zu erreichen, wie 20 Jahre vorher das Yoga.